Aktion 2022 – Gewalt an Frauen

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Stiftung Mariannhiller Missionare
St. Josefsweg 15
6460 Altdorf

Tel. 041 874 04 40
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Aktion 2022 – Gewalt an Frauen

Verbunden mit einer Gebetsnovene für unsere Wohltäter und deren Anliegen versenden wir schon seit über 50 Jahren zum Josefsfest jeweils ein «Missionsprojekt» mit der Bitte um Unterstützung. Und immer wieder neu staunen wir über die Grosszügigkeit unserer Wohltäter. Das bestärkt uns auch im Grundgedanken dieser jährliche Aktion: So wichtig der finanzielle Ertrag immer auch ist, noch wichtiger war und ist die immer wieder neue Erfahrung, wie sehr unsere «Wohltäter» quasi als unsere Familie, unsere Missionsarbeit als Mariannhiller Missionare mit grossem Interesse und sicher auch durch ihr Gebet unterstützen und mittragen…

Unser aktuelles Projekt für 2022 heisst «Gewalt an Frauen» und betrifft die Weibliche Genitalverstümmlung, die bei den Massai noch weit verbreitet ist.

Die Massai sind ein Volksstamm in Ostafrika (Hauptsächlich in Kenia und Tansania), welcher zwischen einer halben und einer Million Angehörige zählt.

Überlieferungen nach wanderten die Massai um das 15. Jahrhundert in Richtung Süden und besiedelten zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert die Gebiete des heutigen Kenia und Tansania.

Im Verlaufe der Zeit wurden die ursprünglichen Nomaden sesshaft. Massai leben in einfachen Verhältnissen, in Hütten aus getrocknetem Kuhdung.

Die Massai sind sehr traditionsbewusst und leben die früheren Traditionen bis heute. Was in der heutigen, schnelllebigen Zeit umso schöner und wertvoller tönt, hat auch seine Schattenseiten. Denn nicht nur die traditionellen Feste und Zeremonien haben die Zeit bis heute überdauert, es ist auch der bei den Massai weit verbreitete Brauch der weiblichen Genitalverstümmelung.

Gewalt an Frauen: Die Antwort der Mariannhiller Missionare

Sie betreuen die Pfarrei St. Lawrence im Distrikt Longido, der zur Provinz Arusha in Tansania gehört.

In diesem Gebiet gehört ein Grossteil der Bevölkerung zum Volk der Massai.  Die Pfarrei hat 11 «Aussenstationen» oder Filialen. In den meisten davon sind auch Primar- und Sekundarschulen, die von der Lokalregierung unterhalten werden. Auf der Hauptstation gibt es einen Kindergarten. Die Mariannhiller haben diese Pfarrei 2011 übernommen. Sie zählt heute rund 1’700 Gläubige.

Noongishu, eine junge Frau, erzählt: „Mit 12 Jahren wurde ich in Longido, einem Mann zur Frau gegeben, wenige Monate nach meiner Beschneidung. Meine Verletzungen, die durch die Beschneidung verursacht wurden, waren noch nicht ganz verheilt. Einige Freunde meines jetzigen Mannes kamen damals zu meinen Eltern. Bei Nachteinbruch sollte ich zu meinen unbekannten und zukünftigen Mann gebracht werden, der zweimal älter war und schon 3 Frauen hatte. Ich sollte seine 4. werden. Gleich nach meiner Ankunft dort, wurde ich von 2 alten Frauen angeleitet, wie ich mich bei meiner ersten Begegnung mit meinem Zukünftigen zu verhalten habe. Damals wie heute war ich völlig verwirrt, konnte aber nichts dagegen tun, denn die Männerwelt hatte es so beschlossen und ist damit der Tradition gefolgt“.

Heute nach 11 Jahren ist Noongishu eine 23jährige Mutter von drei Söhnen und zwei Töchtern und versucht sich aus dieser Zwangsjacke zu befreien und Veränderungen in die Gesellschaft zu bringen. Zusammen mit anderen Freiwilligen setzt sie sich ein, damit die jungen Mädchen ihres Volkes gute Schulbildung bekommen und auch in einem geschützten Rahmen leben können. In der Pfarrei St, Lawrence ist das im Ansatz möglich. Aber sie brauchen mehr…Neben der Schulbildung und Sicherheit, ist es auch notwendig, dass die jungen Frauen ihren Lebensunterhalt erwerben und sich als freie Persönlichkeiten entfalten können, denn oft werden Beschneidung und Frühheirat auch dazu benutzt, um den Hunger in der Familie durch den Erhalt des Brautpreises erträglicher zu machen.

Lassen wir die jungen Missionare selber sprechen (hier P. Wangila bei einer Messe): Während der Schulferien kommen immer mehr Mädchen für Kurse auf unsere Missionsstation. Zusammen mit freiwilligen Fachleuten versuchen wir den jungen Frauen in erster Linie Wissen zu vermitteln.  Wir möchten einen Ort schaffen, wo Mädchen, die zur Beschneidung (FGM, Englisch= Female Genital Mutilation) gezwungen werden, Zuflucht und Sicherheit finden können. Immer mehr erleben wir, dass diese hilflosen Menschen vor der Beschneidung fliehen wollen. Wir arbeiten bewusst mit Regierungsstellen zusammen. Vom Departement für Gender und Kinderschutz erhalten wir für die einzelnen Personen jeweils Bewilligungen, dass sie bei uns wohnen und lernen dürfen. Wir haben auch eine Gruppe von freiwilligen Sozialarbeiterinnen, die uns bei solchen Kursen helfen… Von der Distriktsverwaltung haben wir die Zusicherung, dass sie uns für solche Kurse eine leitende Sozialarbeiterin oder Krankenschwester geben würden. Auch ein Wachdienst wird organisiert werden. Wir möchten diesen jungen Frauen eine Oase bieten, mit der sie sich identifizieren, sich untereinander verbinden und gemeinsam sich für ihre Freiheit einsetzen können. Solche Frauen werden dazu beitragen, dass dieser Zufluchtsort immer mehr betroffenen jungen Frauen helfen wird die negativen Folgen der FGM zu überwinden und so selbst Champions der Anti-FGM Bewegung werden.»

Die jungen Missionare verstehen ihren Einsatz für die Würde und Rechte der Frauen und Mädchen nicht in erster Linie als «soziale Hilfe» (was es in Wirklichkeit ist), sondern als wesentlichen Teil ihres Auftrags im Dienst am Reich Gottes. Hatte Gott doch nicht nur alles gut und schön gemacht, sondern er gab auch seinen Sohn dahin, um die Menschen, die ihre Freiheit missbraucht hatten, zu erlösen und ihnen ihre Würde und die Fülle des Lebens neu zu schenken. «Der erlöste Mensch ist der Weg der Kirche» sagte Johannes Paul II in seiner ersten Enzyklika, 1979.

Wenn das Geld reicht, möchten sie ein Haus errichten, mit drei Schlafräumen, mit den notwendigen sanitären Anlagen, Schulungs- und Arbeitsräumen und was halt dazugehört um es eine Oase werden zu lassen, wo alle in Frieden und Würde miteinander leben können.

Junge Mädchen und Frauen in Longido