Aktion 2021 – Kolumbien

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Stiftung Mariannhiller Missionare
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6460 Altdorf

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Aktion 2021 – Kolumbien

Jedes Jahr wird durch die Schweizer Mariannhiller Missionare ein Jahresprojekt ins Leben gerufen. Die Projekte sollen eine nachhaltige Unterstützung für die Menschen in den verschiedenen Gegenden unserer Missionen sein. Unsere verschiedenen Missionsstationen in Afrika, aber auch in Kolumbien und Papua-Neuguinea erhalten somit Unterstützung, wo diese am dringendsten notwendig ist. Sei es für den Bau eines Brunnens, einer Schule oder zur missionarischen Tätigkeit.

Unser aktuelles Projekt für 2021 heisst «Selig sind die Friedensstifter».

Kolumbien ist eine Republik im Norden von Südamerika und ist mit rund 50 Millionen Einwohnern der bevölkerungsmässig zweitgrösste Staat Südamerikas.

Im Jahr 1948 begann ein blutiger Konflikt zwischen der Regierung und der Guerillagruppe FARC. Dieser Guerillakrieg kostete über 200’000 Menschenleben und verursachte im Land rund 6 Millionen Binnenvertriebene.

Ein Grossteil dieser Flüchtlinge landeten am selben Ort, in der Nachbarschaft der Hauptstadt Bogota. Um die Stadt entwickelten sich ein riesiger Slum. Vor rund 15 Jahren begann die Regierung, notwendige Infrastrukturen zu errichten.

P. José Aragon und P. David Fernandez

Ebendort, in Bosa, einem Ortsteil mit über 2 Millionen Einwohnern, übernahmen die Mariannhiller Missionare vor gut vier Jahren die Verantwortung für eine Pfarrei, die der Mariannhiller Pater David Fernandez heute noch leitet: Nuestra Senora de la Natividad. Er wird unterstützt von P. José Aragon, dem ersten Kolumbianer Mariannhiller, der vor einem Jahr zum Priester gewiht wurde.      

Als sie die Pfarrei übernahmen gehörten rund 100’000 Personen dazu. Heute sind es bereits 120’000, die meisten davon Vertriebene und Flüchtlinge.

Die Geschichte von Juan, dem Taxifahrer illustriert diese Wirklichkeit sehr eindrücklich

Eines Tages kam Juan am Zentrum vorbei. Er sah, dass viele Leute ein- und ausgingen und fragte jemanden: «Was geben sie in diesem Haus?». Die Gelegenheit nutzend, kam er herein und begann von seiner Vergangenheit im Dschungel zu erzählen. Ständig sei er am Kämpfen gewesen, ohne zu wissen warum oder gegen wen.

Er zeigte uns ein Buch, das er bei sich hatte und fügte hinzu: «Im Dschungel habe auch ich die Kindheit verloren, die ich nie hatte.» Genauso wie es der Titel dieses Buches sagt: «Ich hatte kein Spielzeug, aber ich hatte ein Gewehr» (von Beto Avendafio)». Er erzählte weiter, mit der Gewissheit, dass jemand ihm zuhörte. Wie er nachts immer noch die Schüsse hört, das Geräusch von Hubschraubern, das Knacken trockener Zweige und die Lieder von verängstigten und erschreckten Vögeln. «Meine Frau konnte mich nicht mehr ertragen und verliess mich. Jetzt kann auch ich mich selbst nicht mehr ausstehen». Nach langer Zeit stand es auf. Er strecke seine Hand aus und sagte: «Danke fürs Zuhören. Ich komme wieder».

Opfer oder Täter?

«Wie dieser Taxifahrer sind die meisten Mitglieder der Pfarrei persönlich betroffen vom bewaffneten Konflikt, dessen Opfer oder Täter sie waren», sagt Pater David und erzählt «Man spürt und sieht das immer wieder, wenn Menschen sich begegnen. Man beobachtet Gefühle von Vorsicht und Angst, von Vorsicht und Angst jemandem zu begegnen, der der Mörder eines Familienmitgliedes oder der Verwandte von jemandem, der von ihm getötet wurde, sein könnte, oder der Vergewaltiger einer nahestehenden Person beziehungsweise das Opfer einer Vergewaltigung, oder der Entführer eines Familienmitglieds oder Angehörige eines von ihm Entführten… Jede und jeder kann Opfer oder Täter sein.

Als die Mariannhiller die Pfarrei übernahmen, hatte es ein altes, baufälliges Kirchlein, aber kein Pfarrhaus. Wir bewohnten ein kleines Haus, das uns angeboten wurde. Im Laufe des ersten Jahres errichteten wir mit der Hilfe unserer Kongregation zuerst ein Begegnungszentrum (wo wir auch wohnen) mit einer Kapelle für rund 200 Besucher. Jeden Sonntag feiern wir acht heilige messen. Vier davon in den Eingangshallen von Shoppingzentren. Die Menschen der Pfarrei sind dankbar und praktisch von Anfang an fanden sich viele Freiwillige, sodass das Zentrum schnell eine lebendige Pfarrei-Zelle geworden ist.

Jugendliche helfen Strassenkindern

Essensausgabe an Bedürftige

So beantworten hier an den Wochenenden Juristen freiwillig und ohne Bezahlung Fragen der Heimatlosen und helfen ihnen bei amtlichen Problemen. Auch freiwillige Psychologinnen bieten Hilfe an. So können traumatisierte Menschen wieder Halt finden und werden selbst zum Halt für andere. Junge Menschen, die oft um ihre eigene Existenz kämpfen müssen, nehmen sich der Strassenkinder an und helfen ihnen, mit Sport und Musik freude und Zuversichersicht aufzubauen…alles Mitglieder der Pfarrei. Noch haben wir keine Pfarrkirche, aber wir sind eine lebendige Gemeinschaft, wo viele frühere Feinde zu Freunden wurden.

Getragen von der Kraft des Kreuzes, bauen Mariannhiller Missionare in Kolumbien am Reich Gottes, am Reich der Versöhnung und des Friedens.

Wir Mariannhiller Missionare in der Schweiz empfehlen Ihnen diese Missionsarbeit unserer Mitbrüder und sagen Ihnen ein herzliches «Vergelts Gott!» für Ihre Unterstützung.

Das ist das erste Kirchlein, «vergrössert» mit einem Vordach. Hier soll einmal die neue Kirche entstehen.

P. David mit Hermana Maritze. Von der Kirche übernahm sie nach dem Friedensschluss die Aufgabe, in Lagern, wohin sich die Guerillas zurückzogen, diese Menschen für den Frieden vorzubereiten. Ihre «Unterrichtshilfen»: Der Tonkrus für die Zerbrechlichkeit und das Kreuz für die Kraft… Ja, selig sind die Friedensstifter

«Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede IST der Weg»